Kandinsky

February 3rd, 2008 von stanislaus1

a_2.jpgKandinsky untersucht in Punkt und Linie zu Fläche. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente, erstmals 1926 in München erschienen, die drei Elemente in der aufsteigenden Folge des Titels. Wenn Sie diesen Aufbau nachvollziehen wollen, müssen sie die Blogseite von unten nach oben lesen.

Die knappste ständige Behauptung

February 3rd, 2008 von stanislaus1

„Der Punkt krallt sich in die Grundfläche hinein und behauptet sich für alle Zeiten. So ist er innerlich die knappste ständige Behauptung, die kurz, fest und schnell entsteht. Deshalb ist der Punkt in äußerem und inneren Sinne das Urelement (…) der Graphik.“ (S.31)

Punkt und Fläche

February 2nd, 2008 von stanislaus1

„Äußerlich kann der Punkt als die kleinste Elementarform bezeichnet werden, was aber nicht genau ist. (…) Der Punkt kann wachsen, zur Fläche werden und unbemerkt die ganze Grundfläche bedecken- wo wäre dann die Grenze zwischen Punkt und Fläche?“ (S.26)

Die Befruchtung der Fläche

February 1st, 2008 von stanislaus1

„Der Punkt ist das Resultat des ersten Zusammentreffens des Werkzeuges mit der materiellen Fläche, der Grundfläche. (….) Durch diesen ersten Zusammenstoß wird die Grundfläche befruchtet.“ (S.25)

January 31st, 2008 von stanislaus1

ausschnitt1.jpgAuf dieser Seite finden Sie Aussagen über die Natur und den Charakter der Linie von sehr unterschiedlichen Künstlern und Theoretikern. Der Reihenfolge der Zitate kommt keine Bedeutung zu.

Obwohl es natürlich über die Jahrhunderte immer wieder Beobachtungen der Linie gab, so hat doch erst erstmals Kandinsky eine grundlegende Analyse der Linie in seinem Buch „Punkt und Linie zu Fläche“ 1926 geleistet. Für meine Arbeit zentrale Aussagen aus dieser Arbeit finden sie auf der Seite „Kandinsky“ in diesem Blog.

Friedensreich Hundertwasser in seinem Verschimmelungsmanifest (1958) über die gerade Linie:

„Verbrecherisch ist auch die Benützung des Lineals in der Architektur, das, wie leicht zu beweisen ist, als Instrument des Zerfalls der architektonischen Dreieinigkeit anzusehen ist. Schon das Bei-sich-tragen einer geraden Linie müßte, zumindest moralisch, verboten werden. Das Lineal ist das Symbol des neuen Analphabetismus. Das Lineal ist das Symptom der neuen Krankheit des Zerfalls.

Wir leben in einem Chaos der geraden Linien, in einem Dschungel der geraden Linien. Wer dies nicht glaubt, der gebe sich einmal die Mühe und zähle die geraden Linien, die ihn umgeben, und er wird begreifen; denn er wird niemals zu einem Ende gelangen.

Auf einer Rasierklinge habe ich 546 gerade Linien gezählt. Durch die lineare und imaginäre Verbindung zu einer zweiten Rasierklinge derselben Produktion, die sicher haargenau so aussieht, ergeben sich 1090 gerade Linien, und wenn man die Verpackung dazuzählt, an die 3000 gerade Linien derselben Rasierklinge.

Vor nicht allzulanger Zeit war der Besitz der geraden Linie ein Privileg der Könige, der Begüterten und der Gescheiten. Heute besitzt jeder Depp Millionen von geraden Linien in der Hosentasche.

Dieser Urwald der geraden Linien, der uns immer mehr wie Gefangene in einem Gefängnis umstrickt, muss gerodet werden.

Der Mensch hat bisher immer noch die Dschungel gerodet, in denen er sich befand, und sich befreit. Allerdings muss er sich erst dessen bewusst werden, dass er sich in einem Dschungel befindet, denn dieser Dschungel hat sich schleicherisch gebildet, ohne dass die Bevölkerung davon etwas weiß. Und diesmal ist es ein Dschungel der geraden Linien.

(…) Die gerade Linie ist gottlos und unmoralisch. Die gerade Linie ist keine schöpferische, sondern eine reproduktive Linie. In ihr wohnt weniger Gott und menschlicher Geist als vielmehr die bequemheitslüsterne, gehirnlose Massenameise.

Die Gebilde der geraden Linie, auch wenn sie sich noch so krümmen, biegen, überhängen und sogar durchlöchern, sind somit hinfällig. Das ist alles Anschlusspanik, ist die Angst der konstruktiven Architekten, nur ja rechtzeitig umzuwechseln.

Wenn sich an einer Rasierklinge der Rost festsetzt, wenn eine Wand zu schimmeln beginnt, wenn in einer Zimmerdecke das Moos wächst und die geometrischen Winkel abrundet, so soll man sich doch freuen, dass mit den Mikroben und Schwämmen das Leben in das Haus einzieht und wir so mehr bewusst als jemals zuvor Zeugen von architektonischen Veränderungen werden, von denen wir viel zu lernen haben.“

Literatur zum Thema

January 30th, 2008 von stanislaus1

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Zur Natur der Linie in der Kunst gibt es neben der bis heute singulär stehenden Analyse Kandinskys wenig Umfassendes. Dennoch finden sich natürlich an vielen Orten Gedanken zur Linie. Im Folgenden möchte ich (sehr subjektiv) auf einige Texte hinweisen:

Assmann, Peter (Hg.): Zeichnung: Linie. Künstlersymposium 1999. Weitra 1999.

Brusatin, Manlio: Geschichte der Linien. Berlin 2003.

Deicher, Susanne (Hg.): Die weibliche und die männliche Linie. Das imaginäre Geschlecht der modernen Kunst von Klimt bis Mondrian. Berlin 1993.

Guggenbühl, Paul:  Begegnung mit der Form. Zürich 1966.

Janssen, Horst: Über das Zeichnen nach der Natur in: Hokusai’s Spaziergang, S. 7-15, Hamburg 1998.

Kandinsky, Wassily: Punkt und Linie zu Fläche. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente. München 1926.

Kepes, Gyorgy: Zeichen, Bild, Symbol. Brüssel 1972.

Koschatzky, Walter: Die Kunst der Zeichnung. Technik, Geschichte, Meisterwerke. München 1981.

Thomas, Manuel: Über die Linie. In: Manuel Thomas. Von und über, S. 22-25. Murnau 2002.

Winkler, Eugen Gottlob: Die Erkundung der Linie. Erzählung, Aufsatz, Gedicht. Leipzig 1993.

 

Kandinsky über den Punkt

January 30th, 2008 von stanislaus1

„So ist der geometrische Punkt in unserer Vorstellung die höchste und höchst einzelne Verbindung von Schweigen und Sprechen. (…) in der fließenden Rede ist der Punkt das Symbol der Unterbrechung, des Nichtseins (…), und zur selben Zeit ist er eine Brücke von einem Sein zum anderen.“ (S.21)

December 21st, 2007 von stanislaus1

Dieser Blog hat einen zusammengehörigen Text, der nur verständlich ist, wenn Sie mit dem ersten Beitag, also ganz unten, beginnen.

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Das Sichtbare

December 20th, 2007 von stanislaus1

“CONSTANTIN: Und was also ahnst du vor diesem Wirrsal von Linien?

COSMAS: Spuren der Bewegung einer Seele! Verzagen und Sehnsucht; Versuchung, Furcht, Ruhe, Melancholie, Verzweiflung; Zuversicht und Müdigkeiten! Diese Linien umschreiben die Bewegung einer Welt, der nichts Gegenständliches unterlegt ist. Das Einsetzen von Sichtbarem bleibt dem Betrachter überlassen.“

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Das Zergehen

December 19th, 2007 von stanislaus1

„COSMAS: Gleichwohl! Sie ziehen mich an, als wirke eine geheime Macht aus ihnen.

CONSTANTIN: Du musst mir erlauben, dies Wort zu verachten. Ich habe schon all zu häufig erfahren, dass sich alles unter ihm verbirgt, was sich scheut, seinen Unverstand offen zuzugeben. (…)

COSMAS: (…) Einen Andrang von scharfen hellen Fragen erwidert es, wie du gesehen hast, indem es zergeht. Die Ahnung allein begreift es.“

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